#Feingeist
Eine Hommage an unsere Katzen

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Eigentlich wollten wir immer zwei Hunde haben, jetzt haben wir zwei Kater. Dabei mochte ich Katzen nie! Sie waren für mich falsch und gar Keimträger. Kurz gesagt: ich ekelte mich vor ihnen.
Unsere Kinder liefen früher vor jedem Tier davon. Wenn sie nur ein Bellen aus der Ferne hörten, begannen sie zu weinen. Wir befürchteten, sie würden eines Tages in ihrer Panik in ein fahrendes Auto rennen. So kauften wir ihnen Hamster, wovon einer sehr schnell an einer Bronchitis verstarb. Um den anderen musste ich mich kümmern, da die jüngsten Bewohner des Hauses keinerlei Therapieerfolge zeigen wollten und weiterhin Angst hatten.

Der Bauer von nebenan hat eine Katze. Manche nennen sie Mimi, andere Miezi, er selbst ruft sie schlicht Katze.
Für mich heißt sie Minzchje und sie schaffte es tatsächlich, meine Kinder davon zu überzeugen, Tieren auch vertrauen zu können. Unsere Mamsell und ebenso der große Bruder trauten sich die Miezi zu streicheln. Mir ging das Herz auf und so beschloss ich, Minzchje nicht mehr von unserem Grundstück zu vertreiben.
An einem schönen Tag erzählte mir der Bauer, seine Katz sei tragend. Ich bekam Mitleid, denn sie war nicht mal ein Jahr alt. Schlimmer war aber die Aussage: „Wollt ihr nen Kätzchen haben, wenn nicht, dann kommen se auf n Mist!“ Och nein! Das kann der doch nicht machen. Die armen Tierchen können doch auch nichts dafür, dass die Mutter nicht sterilisiert wurde…

Um es abzukürzen: ich informierte mich und fand heraus, man solle Katzen besser zu zweit halten. Entschlossen sagte ich Bauern H. zu, zwei Kätzchen zu nehmen.
Es mag unglaublich klingen, doch je näher der Geburtstermin rückte, desto aufgeregter wurde ICH! Der Sohnemann war nicht so begeistert, bald riesengroße Tiere im Haus zu haben, mein Zicklein hingegen freute sich sehr.
Am Tag der Arbeit in 2013 war es dann soweit. Vier kleine Katzenwelpen erblickten das Licht der Welt. Zwei getigerte und zwei schneeweiße. Mir wurde erzählt, Katzen können von zwei verschiedenen Katern geschwängert werden und da die jeweiligen Tierchen große Ähnlichkeiten mit zwei Streunern der Nachbarhöfe haben, scheint das wirklich zu stimmen.

Vier Wochen später fingen wir an, die Kleinen regelmäßig zu besuchen und wählten je eine Farbe. Die Namensfindung gestaltete sich etwas schwierig. „Katzen müssen Charlie heißen“, so der Holde. „Der weiße MUSS Schneeball oder Snowflake heißen“, erbat das Mamsellchen. Charlie war für den Tiger beschlossen, aber Schneeball oder Snowflake? Viele Diskussionen später entschieden wir uns für Coco.

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Nach acht Wochen wollte der Bauer die „Fresser“ los werden und so holten wir die kleinen Knäuel in unser Haus. Meine Befürchtung, es könnte erstmal überall Pipi und anderes im Haus verteilt werden, war umsonst. Denn erstens hielten wir unseren Zuwachs für ein paar Tage im Bad und zweitens fanden sie nach einer halben Stunde von selbst ihr neues Klo.
Es dauerte nicht lange und ich änderte meine Meinung über Katzen.
Diese Lebewesen sind alles, aber nicht falsch. Im Gegenteil…sie zeigen jedem Tier und jedem Menschen in voller Ehrlichkeit, was sie von ihm halten. Auch sind sie alles andere als dumm! Während Charlie zum Beispiel beim Spielen mit uns Erwachsenen oft vergisst die Krallen einzuziehen, ist er bei den Kindern sanft. Wenn Coco Hunger hat, dann maut er in einem Tonfall, der sehr genau so klingt, wie wir seinen Namen rufen. Auch antwortet er mit „Hallo“, wenn man ihn begrüßt. Das mag jetzt unglaublich klingen, entspricht aber der Wahrheit – unserer zumindest…
Die Zwei lernten sehr schnell auf ihre Namen zu hören, wissen genau wo das Futter und wo die Leckerlies liegen. Charlie begleitet unsere Mamsell in die Schule und er holt sie auch ab. Jeden Tag verlässt er zur gleichen Zeit das Haus und harrt, wenn nötig, eine Schulstunde länger am Treffpunkt aus. Er scheint eine innere Uhr zu haben, mit den Wochentagen hapert es noch.
Aus dem Katzenbaum holen sie ihre Spielmäuse und Kisschen und was da alles liegt, legen sie vor unsere Füße und springen so lange auf und ab, bis sich jemand erbarmt mit ihnen zu spielen. Ich dachte, das machen nur Hunde!
Katzen sind unheimlich sensibel. Sie merken, wenn jemand traurig ist. Dann springen sie auf den Schoß und fangen einfach an zu schnurren. Dieses Gefühl ist so tröstend und beruhigend. Wenn sie dann noch Köpfchen geben, also ihren Kopf gegen einen Arm, eine Hand oder die Brust stoßen, dann macht es uns glücklich und so ist viel Kummer in unserer Familie bereits beseitigt worden. Denn Kopf geben heißt: „Ich hab dich lieb“.

Anpupsen ist zwar auch nett, ein Freundschaftsgruß quasi, aber bei Weitem nicht so angenehm.

Warum auch immer: sobald einer der zwei in den Raum kommt, rufe ich „Schnubbi“. Dieses Wort hat mich auch zu meiner heutigen Geschichte gebracht. Das sind sie einfach: meine Schnubbis!
Coco und Charlie leben nun schon seit über zwei Jahren mit uns zusammen. Sie wie ursprünglich geplant als Hauskatzen zu halten, ist auf dem Dorf nicht möglich und auch unlogisch. So sind es Freigänger. Sie haben am Tag die Möglichkeit jederzeit aus dem Haus zu gehen, in der Nacht bleiben sie drin – freiwillig! Natürlich muss ich öfter mal eine tote Maus oder einen noch flatternden Vogel beseitigen, es sind eben Jäger.

Dafür, dass es Katzen sind, sind sie wohl erzogen. Sie springen aufs Sofa, liegen oft in den Betten und folgen mir auf Toilette. Das haben wir nie verboten. Zudem sitzen sie neben dem Tisch und betteln um Käse und Wurst – auch das erlauben wir. Auf der Küchenablage haben sie allerdings nichts zu suchen. Fragt mich mal, wie wir das geschafft haben, sie davon fern zu halten…wir nutzen nie eine Wasserflasche, nur Urgeschrei – das zieht!

Unsere Katerchen gehören zur Familie und ich möchte sie nicht missen. Unlängst hat meine Freundin bei uns übernachtet. Mir war das nicht geheuer, denn sie hasst Katzen noch mehr als ich früher. Es funktionierte gut und als sie ging, sagte sie: „Ich weiß nicht, ob das daran liegt, dass es deine Katzen sind, aber die zwei sind ja echt süß!“ Vielleicht haben einfach nur die richtigen Tiger den Weg zu uns gefunden!

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