#Schreibzeit
Gedanken zu Blogüberschriften

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Bine fragt sich, wie ihre Leser das mit den Überschriften sehen. Dazu fiel mir ein Satz ein: ich habe eine Überschrift und verfasse dazu einen Beitrag oder die Überschrift kommt mir beim Schreiben. Bisschen wenig für einen ganzen Post…

Wenn ich mich für ein Buch interessiere, dann fällt mein Blick zu allererst auf den Titel. Schon immer lies ich mich nicht von dem wörtlichen Blickfang beirren. Das was über das Buch im Klappentext gesagt wird, ist wichtig. Dort gibt es nämlich den eigentlichen Hinweis auf die Geschichte und den üblichen Teaser, der mich entscheiden lässt, ob ich ein Werk wirklich lesen möchte oder eben nicht.
Ein gutes Beispiel dafür sind die „etlichen Schattierungen des Graus“. Ich dachte vieles über den Titel. Es könnte ein Kunstbuch sein, in dem die Nuancen der Farbe Grau aufgezeigt werden – sehr interessant! Oder ein Werk darüber, nicht alles schwarz oder weiß zu sehen. Das wäre ebenfalls lesenswert gewesen. Kurzzeitig überlegte ich sogar, ob es ein New-Age-Roman sein könnte. Auch dachte ich an Dorian Gray.
Die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten des Wortspiels im Titel, gefielen mir schon mal sehr gut.
Als ich mich dann der Inhaltsangabe zuwand, war ich mehr als froh, mich nicht von einer Buchüberschrift blenden zu lassen. Das worum es in dem Buch wirklich geht, tangiert mich äußerst peripher! Zumindest möchte ich so etwas nicht lesen. Schlimm genug zu wissen, wer in meinem Freundeskreis total darauf abfährt.
Im Gegensatz dazu sprach mich zum Beispiel Dead Beautiful von Yvonne Woon im Sinne des Titels gar nicht an. Mittlerweile ist es das einzige Buch, das ich gelesen und mehrmals gehört habe.

Ähnlich ist es mit Filmtiteln. Mit „Der Opa hat Alzheimer“ hätte Till Schweiger vielleicht keinen Kassenschlager erzielt. Ein guter Film! Ein schlechtes Beispiel fällt mir nicht ein, es geht hier ja auch um Blogüberschriften…

In meinem alten Blog habe ich sehr gerne Musiktitel als Überschrift benutzt. Natürlich war mir klar, damit wird mein Blog von und über Suchmaschinen schneller gefunden. Doof war es, als ich dann entschied, mich nicht mehr über Gockel&Co finden zu lassen.
Mittlerweile mache ich mir keine Gedanken mehr darüber, ob der Titel passt oder nicht. Manchmal fällt mir eine Überschrift ein und daraus entsteht dann mein Beitrag. Genauso oft fällt mir während des Schreibens eine Überschrift ein – mit meinem eigenen Schlagwort sozusagen. Und später fällt mir in der Statistik dann auf, welches Suchwort manche Leser auf meinen Blog geleitet hat.

Meine Beiträge inklusive Überschriften sind hundert Prozent Kaddie. Wenn ich zitiere oder Zitate ändere, dann mache ich das hier in der Bloggerwelt genauso gedankenlos wie im echten Leben. Ich bin dafür bekannt, im Gespräch passende Liedlyrik zu singen oder mit gelernten Zitaten zu prahlen, indem ich sie situationsbedingt verändere. Schon meine Englischlehrerin zog mir in der Klausur über Shakespeares Macbeth einen ganzen Punkt ab, nachdem sie sich den Spaß erlaubte, alle Liedtitel in dick und rot an den Rand zu schreiben, die ihr bekannt waren. Hinter der Punktzahl stand sinngemäß: „I love the Beatles, too. But i prefer your own words“ Tja, so habe ich damals aber die vermaledeite Grammatik umgangen…
Es ist einfach so: der Blog hat keinen werbenden Hintergrund. Ich möchte mich nicht beweisen, nicht verkaufen, nicht präsentieren. Alles war ich hier schreibe, möchte ich aus meinem Kopf raus haben. Was die Welt nichts angeht, ist meist mit Passwort auf meinem PC zu finden. Ich schreibe, weil ich schreiben will. Warum sollte ich mich dann verstellen? Warum sollte ich auch meine Zeit vergeuden, indem ich stundenlang nach einem passenden Titel suche? Wer meine langen Texte lesen mag, der macht sich keine Gedanken, ob ich als Überschrift „Bald ist Weihnachten“ oder „Die schöne und besinnliche Weihnachtszeit ohne Backen und mit viel Zeit füreinander bei Familie Kaddie“ gewählt habe. Es geht um Weihnachten. Punkt! Hätte ich die zweite Überschrift gewählt, dann wäre darin allerdings alles enthalten, was ich mit meinem Schreiben ausdrücken wollte. Wäre ja doppelt gemoppelt…des mag isch net.

Und wie halte ich das mit dem Lesen von Blogs? Was spricht mich da wirklich an?
In Blogs, die ich regelmässig lese, interessiert mich eine Überschrift nicht. Aus Erfahrung weiß ich, der Beitrag wird mir gefallen, selbst wenn das Thema mal nicht meins ist. Allerdings fällt mir immer sofort auf, sobald die Überschrift anders als gewohnt ist. Oft gefällt mir das dann sogar.
Wenn ich aus ehrlichem Interesse durch die Bloggerwelt ziehe und mich von einem Blog zum nächsten klicke, dann sind Überschriften sehr wichtig. Zeigen mir Überschriften der Beiträge, dass es sich sowieso nur um eine tausendste Variante eines Hypes handelt, klicke ich sofort weg! Ich lese nicht mal den ersten Satz. Erkenne ich in der Überschrift hingegen, im Folgenden werde ich um eine Erfahrung reicher, die ich nicht schon millionenfach gelesen oder gehört habe, dann nehme ich mir die Zeit und lese. Das sind dann tatsächlich meist Beiträge mit kurzen Titeln. Worte, die aus dem Leben gegriffen sind – und ich meine aller Leben, nicht das Leben der Plotter- und Thermomixbesitzer, der fleischlos Ernährten, der VIP-Kenner. Ausdrücklich möchte ich anmerken, auch Blogs mit vorangegangen Themen zu lesen, solange mir niemand etwas aufschwatzen will.
So gar nicht mag ich Überschriften leiden, in denen ich ohne weiter zu lesen weiß, hier gibt niemand lediglich seine Erfahrung preis, hier soll ich überzeugt werden. Und zwar nicht aus werblichen Zwecken, sondern weil nur die Meinung des Verfassers zählt. Ehrliche Werbung hingegen lese ich gerne. Nicht immer wird sie als solche gekennzeichnet, doch ist immer erkennbar.

Während ich meinen Beitrag in der Vorschau lese, fällt mir auf, wie kurz ich mich doch hätte fassen können. Ich lese Blogs genau wie Zeitschriften. Es gibt Überschriften, da weiß ich genau, ich brauche den Rest des Artikels nicht mehr zu lesen und weiß dennoch alles. Fehlt mir aber ein: „Jip…so isses“, dann lese ich weiter.

In diesem Sinne:

Nicht hinter jedem Tun liegt ein Gedanke

Gehabt euch wohl!

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